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Der Vergleich Yamaha MT 09 Tracer – Ducati Hyperstrada 939

Ich habe mir mal einige Gedanken zu meinen Motorrädern und wollte diese hier mal kurz darstellen. Das ist kein „richtiger“ Test mit Messwerten und sonstigem Geblubber. Dafür gibt es die allseits bekanntenFachzeitschriften, dort kann man jederzeit detailliert nachlesen, wie Profis die Sache einschätzen. Ich werde auch sicher keinen Testsieger küren, das brauch ich nicht.

 

Die Yamaha MT 09 Tracer habe ich bereits seit zwei Jahre und bin damit viel unterwegs gewesen. Die weitesten Reisen führten mich bis nach Sizilien und Marokko. Dann noch diverse Touren nach Frankreich und Italien, und siehe da, nach den zwei Jahre stehen mehr als 60.000Km auf der digitalen Uhr.

Also kam der Gedanke auf, ein Tracer-Entlastung-Gerät anzuschaffen. Zufälligerweise steht bei mir ein runder Geburtstag dieses Jahr, so dass die Entscheidung zugunsten eines Zweitfahrzeuges schnell gefallen war. Eine BMW, egal welches Modell kommt mir nicht ins Haus …Punkt. KTM sieht man auch bald an jeder Ecke, also wie wär s mal mit was Italienischem?

Ducati stellte auf der letztjährigen Eicma in Mailand die neuen Scrambler Modelle vor und die Desert Sled stach mir sofort ins Auge. Wirklich ein bildschönes Motorrad mit unverkennbaren Wurzeln bei Ur Yamaha XT 500. Das wär was für mich, dachte ich mir und fing an mich intensiver mit Ducati im Besonderen und auch im Allgemeinen zu beschäftigen.

Je länger ich mich mit der Desert Sled beschäftigte umso klarer wurde mir, dass ich sowas eigentlich nicht will. Gelände fahre ich eh nicht, das Teil ist jetzt nicht gerade ein Schnäppchen, und der Motor kann mich hinsichtlich seiner (Leistungs)Daten nicht überzeugen. Um es salopp zu formulieren, der zieht keine Wurst vom Teller. Aber sie sieht gut!

Die Modelle der Hypermotard bzw. -Strada Baureihe von Ducati hatte ich schon mal im Visier als ich nach einem Nachfolger für meine Yamaha FJR 1300 suchte. Also habe ich mich etwas intensiver mit der Materie beschäftigt und der Zufall will es, das in Ettlingen beim Ducati Dealer drei Pressefahrzeuge mit wenig Kilometer zum Verkauf stehen. Bisschen Palaver, kurze Probefahrt, so kommt man zu einem neuen Moto. Ein perfektes Geschenk zum Geburtstag.

Genug der Worte, los geht es


 Technische Details

Yamaha MT 09 Tracer

Ducati Hyperstrada 939

Hubraum

847

937

Zylinder

3

2

Leistung PS

115 bei 10000/min

110 bei 9000/min

Max Drehmoment bei in NM

88Nm bei 8500/min

98Nm bei 7.500/min

Gewicht vollgetankt

210Kg

204Kg

Auf den ersten Blick gleichen sich beide Motorräder von den technischen Daten. Die Unterschiede sind auf dem Papier nicht wirklich gross, aber in der Praxis sehr deutlich spürbar.


 Yamaha MT 09 Tracer

Der Triple der Tracer weiß immer noch zu begeistern, obwohl ich schon 2 Jahre damit unterwegs bin. Der Motor hat drei unterschiedliche Fahrmodi und das ist auch gut so. Die Einstellung „B“ reduziert die Leistung um ca 15PS, das ist sehr angenehm bei Regen wen die Straße feucht ist oder auch im Stadtverkehr. Der Modus „Standard“ ist für den normalen Alltag eigentlich ideal, das ist wohl die ausgewogenste Fahrmodus und man kann damit auch recht flott unterwegs sein – so es denn sein muss. Bleibt als noch der „A“ wie Awesome Modus. Da wird die Leistung des Dreizylinders recht heftig abgerufen und bei starkem Beschleunigen kann man direkt ins Wheelie fahren. Etwas Respekt ist angesagt oder aber man aktiviert die Tractions Kontrolle. Diese erfüllt ihre Funktion, aber von einem feinen dosierten Regeln kann hier nicht gesprochen werden.

  • Yamaha MT 09 Tracer -2.jpg
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    Yamaha MT 09 Tracer -2.jpg

    Der Motor hängt schon ab ca 1500/min wunderbar am Gas und schaltfaules Fahren ist kein Problem. Es spielt dabei keine Rolle welcher Fahrmodus eingestellt ist. Es ist also Kraft über den ganzen Drehzahlbereich vorhanden, wobei ab ca 5000/min eine wahre Leistungsexplosion stattfindet. Da geht mit der Tracer der Gaul durch Also kann man mit einer Tracer nix falsch machen, meiner Meinung nach der beste Triple, der zur Zeit auf dem Markt ist.

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    Yamaha MT 09 Tracer Sonnenuntergang-7.jpg

    Bremsen hat das Tracerle natürlich auch, wie bei Yamaha üblich, über jeden Zweifel erhaben. Nur das ABS ist nicht ganz Stand der Dinge und hätte ein Update verdient. Manchmal regelt die Elektronik schon ziemlich komisch, vor allem wo es gar nicht notwendig wäre. Es ist jetzt nicht kritisch und zu keiner Zeit ein Problem, aber man erschrickt dann doch schon.

     

  • Yamaha MT 09 Tracer -2877.jpg
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    Yamaha MT 09 Tracer -2877.jpg


     Ducati Hyperstrada 939

    Etwas mehr Hubraum, dafür fehlen ein paar PS und das Drehmoment ist höher als jenes der Yamaha. So liest sich die Tabelle. Und die Realität? Es sind von Grund auf zwei verschiedene Motorräder. Wo die Yamaha zum Touren einlädt und schaltfaules Kilometerfressen angesagt ist, ruckelt der Motor der Ducati und fühlt sich nicht wohl, im höchsten Gang durch die Ortschaft rollen ist nicht das Ding der 939.

     

  • Ducati Hyperstrada-28
  • Ducati Hyperstrada-28
    Ducati Hyperstrada-28

    Wenn man aber,  so ab 3.500 bis 7.500 Umdrehungen fährt, brennt die Ducati ein wahres Feuerwerk ab, der Testastretta geht ab wie die gesengte Sau. Trotz der Euro 4 Norm bläst der V2 zur Attacke aus dem Endtopf, was ein geiler Sound. Wenn man in dem Drehzahlband bleibt, höhere Drehzahlen bringen nichts, hat man ein breites Grinsen im Gesicht. Lediglich den Tacho sollte man im Auge behalten, dauernd ist man zu schnell unterwegs. Das Moto im engen Winkelwerk des Schwarzwaldes oder Vogesen ist einfach Genuss pur.

     

  • Ducati Hyperstrada
  • Ducati Hyperstrada
    Ducati Hyperstrada

    Wie die Yamaha hat auch die Ducati Traktionskontrolle und ABS zu bieten. Allerdings regelt das viel feiner und subtiler. Alles ist frei nach eigenem Gusto konfigurierbar, das funktioniert wunderbar. Die weiteren Touren mit der italienischen Bella werden meinen Spieltrieb animieren und diverse Parameter werde ich in die eine oder andere Richtung verschieben.

  • Ducati Sunset
  • Ducati Sunset
    Ducati Sunset

    Wie schon erwähnt sind die Bremsen der Tracer nicht schlecht, sehr fein dosierbar und mit zwei Fingern erzielt man die gewünschte Verzögerung. Und dann gibt es noch die Bremse der Hyperstrada, da macht man das mit einem Finger. Unglaublich diese Bremsleistung, ich bin begeistert! Da stimmt einfach alles, Dosierbarkeit, Kraftaufwand und das feine ABS, sogar Bremsen kann Spaß machen.

     

  • Ducati Light
  • Ducati Light
    Ducati Light


     Ausstattung

    Ducati, italienisches Design und der schmale Grat zwischen Genialität und Wahnsinn. Wenn man die ganze Zeit die mehr oder weniger perfekten japanischen Motorräder gefahren ist, fallen dann doch einige Sachen an der Diva auf. Gut, das Moto hat keine Tankanzeige, daran hat man sich gewöhnt. Irgendwann geht halt die Warnanzeige für Reserve an. Die Tracer hat die üblichen, wirklich sehr guten Armaturen, die einem auch vor kein grosses Rätsel stellen. Ducati verbaut ein eigene (?) was halt etwas Umgewöhnung voraus setzt, aber kein Problem sein sollte. Allerdings lassen sich diese Armaturen mit Winterhandschuhen schwer bedienen. Der Starterknopf um den Motoranzulassen ist wohl für den Sommer und dünne Handschuhe konzipiert.

    schalter

    Das Display der Yamaha ist übersichtlich, prima zum Ablesen der wichtigen Parameter wie Drehzahl oder Geschwindigkeit. Ducatis Display ist für mich etwas überfrachtet an Informationen, weniger wäre manchmal mehr. Auch ist es deutlich kleiner als das Yamaha Pendant

    cockpit vergleich

    An der Tracer fahre ich ein Koffersystem von Hepco & Becker. Die Stahlträger sind ein Lock-It System, das heißt man kann alles komplett abnehmen und nichts verunstaltet die Optik. Meine Koffer habe ich seit über 30 Jahren und die Dinger sind immer noch dicht. Die Soft-Koffer der Ducati sind nicht dicht, man muss extra Taschen für teures Geld kaufen ( oder Aldi Tüten nehmen). Es gibt umlaufende Reißverschlüsse und keine vernünftigen Schlösser wie bei H&B. Eigentlich ein No-Go bei den Qualitätsansprüchen von Ducati.

    Die Ducati ist bei der Programmierung und Anwendung der diversen Sicherheitsfeatures haushoch überlegen. Die Traktion Kontrolle, das ABS und auch die Programmierung der Fahrmodi kann individuell eingestellt werden. Das funktioniert wunderbar, wenn man die Yamaha Traktions Kontrolle kennt triebt es einem die Tränen in die Augen. Die regelt im absolut groben Intervallen.


     Fazit

    Beide Motorräder machen einfach nur Laune. Jedes hat seinen individuellen Charakter und das ist auch gut! Man könnte natürlich noch viele Punkte aufführen und vergleichen. Die Ducati ermöglicht eine deutliche höhere Zuladung wie die Yamaha, dafür ist es wohl eine Strafe für jeden Beifahrer auf dem hinteren Teil der Sitzbank Platz zu nehmen. Mit der Yamaha bin ich in Sizilien gewesen, habe Marokko gesehen, die Tracer für mich ein ideales Reisemotorrad. Die Ducati ist für die Landstraße oder auch, so man will, für die Rennstrecke gemacht. Sportlichkeit ist angesagt und es macht Spass den quicklebendigen Motor in Schwarzwald oder Vogesen ausgiebig zu genießen.

    Für mich gibt es keinen Sieger aus meinem subjektiven Vergleich, zu unterschiedlich sind die Bikes. Also habe ich im Moment zwei absolute Spassgeräte vor Tür stehen!

    Der einzige Sieger bin vielleicht ich …

    Grüssle

    Jojo

    Sonntag, April 28, 2019 5038
    Es war noch tiefster Winter, draußen war es kalt und regnerisch. Für (Motorrad) Reisende die schlimmste Zeit des Jahres 😊 Da neige ich schon mal dazu, allerlei Reiseportale abzuklappern und Preise zu vergleichen. Sicher gibt es die Möglichkeit mit dem Flieger in ein paar Stunden irgendwohin zu düsen und Wärme zu genießen. Ist aber nicht so mein Ding. Dann fiel mir ein, dass ich ja schon lange nicht mehr in Paris war ….
    Dienstag, Juni 25, 2019 50062
    Ich könnte ja mal wieder etwas wegfahren. Oder, spricht wohl nix dagegen? Dann hätte ich etwas Neues für die Homepage und etwas Rotwein im Topcase auf der Rückfahrt. Eigentlich ne gute Idee von der alle etwas haben. Nur wohin … grübel, grübel, denk … Meine große Schatzkiste mit den ganzen Michelin Karten mit elegantem Schwung aus dem Regal genommen und etwas Inspiration geholt. Andalusien … zu weit. Toskana, hmpf … war ich zu oft in letzter Zeit. Die Abteilung der französischen Karten kommt mir in einem Rutsch entgegen und die Entscheidung ist, neben einem Haufen Karten, gefallen – La Bourgogne wird es. Da war ich schon länger nicht mehr, was mir eigentlich völlig unverständlich ist. Mon dieu, wie konnte ich die Region so vernachlässigen.
    Samstag, März 09, 2019 393
    Es kam wie es kommen musste, und das schon im Februar. Die Wetterfrösche quackten was von 20 Grad und solch eine Prognose sollte tunlichst ausgenutzt werden. Nutzen in dem Sinne, dass endlich mal wieder eine etwas ausgedehntere Moto Tour möglich ist. Selbstverständlich sollte man nicht gleich zu Anfang der Saison zu Übertreibungen neigen, aber eine kleine Stippvisite bei Nachbars sollte doch drin sein. Mal was anderes wie der heimische Kirchturm war im Visier.
    Freitag, Juli 12, 2019 278
    Die Tour de France im Alsace. Ein kleiner fotografischer Bericht aus dem Nachbarland und dessen Leidenschaft für Radrennen