Der Morvan Nationalpark

Morvan

Es ist 05:30 Uhr und ich bin eine Stunde vor dem Wecker wach. Es ist schwül im Zimmer und ich öffne erst mal das Fenster und lasse frische Luft rein. Der Himmel ist vollkommen bewölkt und in Richtung Norden zucken noch ein paar Blitze. Da wollte ich eigentlich hin, aber das macht wohl keinen Sinn. Also fahre ich eine andere Route durchs Morvan. Das kennt doch sicher jeder … oder?

Das ist ein Mittelgebirge im Burgund, mit dichten Mischwäldern, großen Heideflächen und einigen (Stau)Seen. Die höchsten Berge sind um die 900m hoch, dazu gibt es Kurven ohne Ende. Ich war hier schon mal in jüngeren Jahren, aber warum ich den Park so aus den Augen verloren habe. Muss ich mal mit mir diskutieren was da so alles Schiefgelaufen ist. Im Herbst, wenn die Blätter bunt sind, muss das hier ein Traum sein.

Besonders warm ist es noch nicht, das wird sich heute Nachmittag erst drastisch ändern. Chateau Chinon schläft noch etwas also kaufe ich mir etwas zum Frühstück und fahre weiter nach Autun. Da wird dann ein erstes Café getrunken. Autun kenne ich von früheren Touren, nicht schlecht, aber nicht so mein Fall. Deswegen verweile ich nur kurz in der Stadt und mache mich wieder auf den Weg.

Morvan 2

 

 Chateau de Sully

Von Autun bis nach Sully sind es nur 14 Km, lohnt sich kaum bis in den 6 Gang zu schalten. Warum fährt der Mensch nach Sully? Ganz einfach, es gibt hier das grösste Renaissanceschloss Südburgunds. Das ist eine mächtige Anlage und ich staune schon etwas. Ein Besuch böte sich an, aber die Öffnungszeiten sind mal wieder gegen mich. Aber wo ich jetzt weiss, was es alles hier gibt, komme ich sicher mal wieder. Das Wetter ist auch nicht besonders aus fotografischer und Motard Sicht.

Chateau de Sully 1
Chateau de Sully 1
Chateau de Sully 2
Chateau de Sully 3
Chateau de Sully 4

 Nolay

Erste grössere Wolkenlücken lasse die Sonne durch und die Coffein LED switcht von Rot auf Dunkelrot. Zeit für eine Pause und da bietet sich Nolay an. Durch einige Mini Gässchen komme ich ins Zentrum des kleinen Ortes und erreiche mein Ziel. In einem sehr schönen Fachwerkhaus gibt es ein Bistro, der Patron steht mit einer abgebrannten Kippe im Mund davor und putzt die Tische. Frankreich wie aus dem Bilderbuch. Café au Lait und ein Croissant geordert und die Kamera griffbereit auf den Tisch gelegt.

Neben dem Bistro ist die Markthalle des Ortes. Gut, Markthallen gibt es öfters mal in den kleinen Dörfern, aber diese ist schon besonders. In einem Balken ist die Jahreszahl 1388 eingeschnitzt, die ganze Halle steht auf steinernen Sockel und ist ansonsten komplett aus Holz gefertigt. Mächtige Pfeiler aus Holz tragen die Konstruktion, unglaublich. Das Dach ist mit ziemlich schweren Kalksteinplatten gedeckt (800KG/qm) und das alles hält schon seit dem 14 Jahrhundert. Lediglich im Außenbereich wo Regen und Sonne hinkommen sind einige Teile erneuert worden. Sehr Imposant!

Nolay 1
Nolay 1
Nolay 2
Nolay 3
Nolay 4
Nolay 5
Nolay 6
Nolay 7

Ciao Burgund, Bon jour Jura

Die Idee noch kurz in Beaune vorbei zu schauen, verwerfe ich angesichts der steigenden Temperaturen. Das Hotel de Dieu ist sicher sehr sehenswert, aber nicht jedes Mal wenn ich in der Gegend bin. So rolle ich entspannt durch die Bresse und stelle mir einen halben Broiler mit Pommes vor. Solche Fantasien muss man erst mal haben angesichts des edlen Geflügels, das hier in der Region produziert wird.

 Verdon-sur-le-Doubs

Ich belasse es bei Pain au Chocolat und einer Cola während ich in Verdon-sur-le Doubs eine ausgedehnte Pause mache. In der Nähe mündet der Doubs in die Saône, irgendwas von über 400Km später nach der Quelle bei Mouthe im Jura. Da hier in der Ebene kaum Gefälle herrscht, steht das Wasser mehr oder weniger. Rechts und links am Ufer des Doubs wachsen jede Menge Seerosen und darin befindet sich eine Armada von Fröschen. Die machen mächtig Lärm und regen die Kreativität des Kochs im gegenüberliegenden Restaurant zu jeder Menge verschiedener Gerichte mit Froschschenkeln an. Eine Win – Win Situation!

Verdon sur le Doubs 1
Verdon sur le Doubs 1
Verdon sur le Doubs 10
Verdon sur le Doubs 2
Verdon sur le Doubs 3
Verdon sur le Doubs 4
Verdon sur le Doubs 5
Verdon sur le Doubs 6
Verdon sur le Doubs 7
Verdon sur le Doubs 8
Verdon sur le Doubs 9

Eigentlich ist es jetzt recht öde auf der Route National in Richtung Dole zu fahren. Das geht schnurgerade aus und ödet einen schon nach kurzer Fahrt mächtig an. Was also tun? Einige Kilometer weiter kommt eine Kreuzung und dort stehen Schilder. Nach rechts geht es u.a. zum Château de Pierre-de-Bresse. War ich da schon mal, nein, also Blinker rechts. Das dauert ne kleine Ewigkeit bis ich das Schloss erreiche. Leider gibt es nichts zu besichtigen, da alles Privat und verrammelt ist. Macht aber mächtig Eindruck auf mich. Könnte mir gut gefallen und dann hätte ich ein zweites Schloss neben meinem Fahrradschloss.

Chateau Pierre Bresse 1

Leider stehe ich nun mitten in der Prärie und weit und breit ist eher nix bis gar nix. Die Michelin Karte ist auch keine Hilfe mehr, also bemühe ich Google Maps und lasse mich nach Arc-Et-Senans lotsen. Eine ¾ Stunde Fahrt durch Mini Dörfer und ewige Felder, sehr ländlich strukturiert die Gegend. Kein Cafe, keine Bäckerei, ich weiss schon warum ich Arc-et-Senans gewählt habe, da gibt es neben der Königlichen Saline ein Restaurant.

Arc et Senans

 Am Doubs

Frisch gestärkt verlasse ich die Saline, einen Besuch erspare ich mir, da die Temperaturen mittlerweile an der 30 Grad Marke kratzen. Ist mir zu warm und der Parkplatz war auch sehr gut gefüllt. Weiter geht es nach Besancon, ab da brauche ich kein Google Maps mehr, hier fängt mein erweitertes Wohnzimmer an. Am Doubs entlang fahre ich ganz relaxt Richtung Baumes-les-Dames. Halte hier und da an und mache ein Foto, genieße einfach den Tag.

Bei Montbeliard verlasse ich die RN und siedle auf die Autobahn über, 3 Stunden Kilometerfressen bei 33 Grad sind nicht prickelnd. Zu vermeiden ist es es aber auch nicht.

Doubs 1
Doubs 1
Doubs 2
Doubs 3
Doubs 4
Doubs 5
Doubs 6
Doubs 7
Doubs 8

Fazit

Das waren also zwei Tage in Frankreich im Zeitraffer. Mir sagt diese Art des Reisens sehr zu, da ich mehr oder weniger alleine unterwegs war. Man sehe sich die Bilder an und erkennt dann, dass kaum Verkehr war. Dienstag und Mittwoch müssen halt die Meisten arbeiten. Am Donnerstag war Feiertag und das lange Wochenende stand vor der Tür, also dürfte wieder der Eine oder Andere mehr unterwegs sein.

Ich komme wieder, keine Frage. Meine To-Do-Liste ist nur unwesentlich kürzer geworden und La Bourgogne hat noch Ziele ohne Ende. Bis zur nächsten Tour sollte es aber nicht so lange dauern, mal sehen wie der Herbst wird. Da wollte ich aber eigentlich nach …..

Alle Fotos der Tour gibt es auch hier ---> Klick

 

Sonntag, April 28, 2019 5036
Es war noch tiefster Winter, draußen war es kalt und regnerisch. Für (Motorrad) Reisende die schlimmste Zeit des Jahres 😊 Da neige ich schon mal dazu, allerlei Reiseportale abzuklappern und Preise zu vergleichen. Sicher gibt es die Möglichkeit mit dem Flieger in ein paar Stunden irgendwohin zu düsen und Wärme zu genießen. Ist aber nicht so mein Ding. Dann fiel mir ein, dass ich ja schon lange nicht mehr in Paris war ….
Dienstag, Juni 25, 2019 50058
Ich könnte ja mal wieder etwas wegfahren. Oder, spricht wohl nix dagegen? Dann hätte ich etwas Neues für die Homepage und etwas Rotwein im Topcase auf der Rückfahrt. Eigentlich ne gute Idee von der alle etwas haben. Nur wohin … grübel, grübel, denk … Meine große Schatzkiste mit den ganzen Michelin Karten mit elegantem Schwung aus dem Regal genommen und etwas Inspiration geholt. Andalusien … zu weit. Toskana, hmpf … war ich zu oft in letzter Zeit. Die Abteilung der französischen Karten kommt mir in einem Rutsch entgegen und die Entscheidung ist, neben einem Haufen Karten, gefallen – La Bourgogne wird es. Da war ich schon länger nicht mehr, was mir eigentlich völlig unverständlich ist. Mon dieu, wie konnte ich die Region so vernachlässigen.
Samstag, März 09, 2019 393
Es kam wie es kommen musste, und das schon im Februar. Die Wetterfrösche quackten was von 20 Grad und solch eine Prognose sollte tunlichst ausgenutzt werden. Nutzen in dem Sinne, dass endlich mal wieder eine etwas ausgedehntere Moto Tour möglich ist. Selbstverständlich sollte man nicht gleich zu Anfang der Saison zu Übertreibungen neigen, aber eine kleine Stippvisite bei Nachbars sollte doch drin sein. Mal was anderes wie der heimische Kirchturm war im Visier.
Freitag, Juli 12, 2019 278
Die Tour de France im Alsace. Ein kleiner fotografischer Bericht aus dem Nachbarland und dessen Leidenschaft für Radrennen