Les Cols et les Gorges


eine Fahrt über Pässe und durch Schluchten Der Reisebericht zu einer Tour in den Süden Frankreichs

Der Weg ist das Ziel oder um es mal ganz profan auszudrücken ... ohne Autobahn geht halt nichts wenn 600 Km Anfahrt bis ins Vercors anstehen. Nach: dem Motto wer früher aufsteht kommt früher an, haben wir den Wecker auf 4:50 Uhr gestellt. Um kurz vor 7:30 Uhr waren wir schon in Basel wo es nach bewährter Manier den ersten Café-Stopp gab. Weiter auf der Schweizer Autobahn Richtung Bern und Genf. Irgendwo bei Yverdon gab´s den zweiten Café. Man kennt halt schon die diversen Raststätten durch frühere Touren.

Auch von früheren Touren bekannt sind die Tankstellen in St-Julien-en-Genevois in der Nähe von Genf.. Direkt an der Französischen Grenze aber auf Schweizer Seite, was den Vorteil hat , nochmal günstig zu tanken. Hinter Cruseille ist die Hängebrücke Pont de la Caille. Weiter geht’s wieder auf der Autobahn an Annecy und Chambery vorbei bis nach Grenoble.Endlich hat die Autobahnfahrerei ein Ende und wir nehmen die Ausfahrt Seyssinet in Richtung Vercors. Die ersten Serpentinen schlängeln sich den Berg in Richtung St.Nizier empor und wir sind im Nu auf über 1000 m. Das Vercors ist erreicht ! In Deutschland ist die Gegend den wenigsten bekannt. Schade eigentlich … Einer der vielen Nationalparks im Süden Frankreichs, fürs Biken wie geschaffen. Zu der grandiosen Landschaft gesellen sich super Motorradstrecken. Kaum Verkehr unter der Woche und sehr angenehm zu fahren. Im Hochsommer und zur Hauptferienzeit dürfte sich das aber sicher ändern. Das touristische Angebot ist Sommer wie Winters breit gefächert .Orte wie Villard de Lans oder La-Chapelle-en-Vercors sind voll auf Tourismus eingestellt. Hotels, Campingplätze sowie weitere Übernachtungsmöglichkeiten zeugen davon.

Das erste , von vielen, Highlights im Verlauf der Tour , der Gorges de la Bourne!  Eine Schlucht wie aus dem –französischen – Bilderbuch . Wieso gibt’s sowas eigentlich bei uns in Deutschland nicht ?  Erinnerungen an die Cevennentour vom letzten Jahr werden wach. Aber jede Gegend hat ihre eigenen Reize. Am besten mal das Video ansehen und sich die Fotos zu Gemüte führen.Pont-en-Royans liegt am Ende des Gorges de la Bourne und bildet einen würdigen Abschluss der Schlucht. Ein Städtchen wie aus dem Bilderbuch. Die Häuser pittoresk an und auf die Felsen gebaut. Schaut euch die Fotos an … die sagen mehr als 1000 Worte. Mit den dicken Moppedklamotten wurde es hier unten im Tal langsam aber sicher zu warm. Also Helm auf und weiter zum Combe-Laval.

 

 

 

Der Combe-Laval ist eigens für touristische Zwecke angelegt worden Die Strasse wurde in die senkrechten Felswände des Vercors gehauen. In atemberaubender Höhe windet sich die Straße am  blanken Fels entlang. Unterbrochen von einigen Tunnels schlängelt sich das Asphaltband in Richtung Col de la Machine. Wer einen Blick in Richtung Tal riskiert sollte kein Höhenangst haben. Mehrere hundert Meter geht es nahezu senkrecht ins Tal. Bei schönem und vor allem klarem Wetter hat man eine sehr gute Sicht ins Nahe gelegene Isere-Tal. Einfach Gigantisch !Ein paar Eindrücke haben wir auf Video festgehalten. Es wackelt etwas und die Qualität könnte auch besser sein. Ulli hat mit der Digicam während der Fahrt gefilmt. Das ist gar nicht so einfach und sollte hier auch mal besonders erwähnt werden! 
 
 
 

 
Die ersten Regentropfen mahnten dringend zur Umkehr. Die ganze Region war von einer riesigen Gewitterfront verdunkelt und machte dem ursprünglich geplanten Routenverlauf nen Strich durch die Rechnung. Über St.Nazaire, immer auf der erfolglosen Suche nach dem ultimativen, schnuckeligen kleinen französischen Landgasthaus landeten wir schließlich in Valence. Der Regen war nun auch schon dort angekommen was uns schnurstracks in nächste IBIS Hotel führte. Kurz und Knapp auf einen Nenner gebracht : Essen hui – Zimmer pfui. Zum Preis von 54 Euro fürs Doppelzimmer kam noch pro Nase 13 Euro fürs Menu.Naja eigentlich konnte es mit der Übernachtung in den nächsten Tagen nur besser werden … dachten wir.

Die Gewitter der Nacht sind abgezogen und wir verlassen Valence wieder in Richtung Vercors. Der Col de la Bataille steht auf der Liste zu fahrender Pässe an erster Stelle. Es geht aus dem Rhone Tal steil bergauf zum Col des Limouches. Schon am frühen Morgen sind die ersten Radfahrer mit ihren Rennrädern am strampeln. Innerhalb vom ca 9 KM geht’s auf 1086 m hoch. Und das mit dem Velo … Chapeau ! Für mich wär das mal grad gar nichts. Auf der Strasse liegen noch jede Menge Steine vom Gewitter der letzten Nacht. Die Strassenränder sind nicht besonders befestigt, so dass der Regen die Steine direkt auf die Fahrbahn spülen kann. Vorsichtiges Fahren ist also angesagt, sonst droht leicht Ungemach . Durch das Unwetter der letzten Nacht hat es merklich abgekühlt, dicke Handschuhe sind also angesagt. Auf dem Col de la Bataille hat man eine herrliche Rundumsicht auf das Vercors und es lohnt sich mal das Mopped ein paar Minuten aus zu machen und die Stille und die Landschaft zu geniessen.Col de la Portette, Col de Lachau, Col de St.Alexis … alles recht unbekannte Pässe die aber wunderbar zu fahren sind und immer zu nem Stopp einladen. Es gibt unendlich viel zu sehen ! Leider nicht immer angenehme Dinge, wie z.B. in Vassieux-en-Vercors. Dort gibt es ein Mahnmal und nen grossen Friedhof für getötete Kämpfer der Resistance im Zweiten Weltkrieg. Man wird immer wieder an ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte erinnert!

Col de Rousset in Richtung der Stadt Die fahren …. Ein absoluter Traum! 14 KM Kurven der Extraklasse in einer ebensolchen Landschaft. Das schreit nach ner Wiederholung. In Die ist erst mal Café Pause angesagt. Da in Frankreich der 1. Mai auch Feiertag ist, sind viele Einheimische Biker unterwegs. Aber voll ist es deswegen auf den Strassen noch lange nicht.Wir verlassen nun das Vercors und fahren in Richtung Provence. Die Landschaft ändert sich merklich und die Häuser haben jetzt schon den typischen mediterrane Baustil des Südens. Auch die Vegetation verändert sich und das satte Grün des Vercors ist passé und Obst- und Nussbäume bestimmen die Landschaft. Wein und Olivenhaine werden so langsam zur gewohnten Umgebung der nächsten Tage. Der Gorges de May ist ja schon bekannt, aber nichts desto trotz gerne gefahren. Die Tankuhr ist bedrohlich Richtung Reserve gesunken. Offene Tankstellen sind in der Gegend so selten wie billiges Bier. Aber was Wunder …ein Automat an ner Tanke nimmt die deutsche Kreditkarte! Mit vollem Tank geht’s wesentlich beruhigter weiter. Col d´Ey ist auch schön zu fahren und in Buis-les-Baronnies schmeckt der Grand Creme vorzüglich. Der Gorges Toulourenc führt uns nach Montbrun-les-Bains. Das Dorf liegt auf einer Anhöhe und zählt zu den schönsten Dörfern Frankreichs! Der Besuch lohnt sich auf jeden Fall. Auf dem Weg zum Mont Ventoux, der nächsten Station unserer Reise, fahren wir durch ausgedehnte Lavendelfelder. Zu unserem grössten Bedauern blühen aber die Pflanzen noch nicht . Es muss hier gigantisch aussehen, wenn der Lavendel blüht. Auch wieder ein Grund, diese Lanschaft wieder zu sehen.

Der Mont Ventoux – der Gigant der Provence

Der vollkommen vegetationslose Gipfel sieht aus wie ne Mondlandschaft. Der Anstieg von Sault führt durch die o.g. Lavendelfelder und ausgedehnte Wälder relativ flach in Richtung Gipfel, bis ca 6 KM vor dem Gipfel in 1000 M höhe der enorme restliche Anstieg beginnt. Und auch hier wieder … Fahrradfahrer ! Kurz vor dem Gipfel ist ein Mahnmal für einen Teilnehmer der Tour der France. Der ist hier infolge von Doping gestorben. Oben angekommen weht uns ein eiskalter Wind entgegen. Keine 5 Grad hats hier oben in 1900 m Höhe. Paar Fotos gemacht und schnell wieder runter in Richtung Carpentras. Die Angstnippel der Fußrasten nehmen rapide ab .

Das Hotel L´Univers ist unser Domizil für diese Nacht. Am besten nicht darüber sagen bzw schreiben. Viel Geld für nichts ! Und das Übelste des Tages ....kein vernünftiges Restaurant in der Nähe. Wg 1. Mai alles zu und die Stadt wie ausgestorben. Ein vietnamesischer-thaländischer Chinese hat als einziges offen. Muss man sich nicht unbedingt in Franreich geben, aber der Hunger treibt uns dorthin.

 

Avignon


Avignon – für mich persönlich eine der schönsten Städte Frankreichs. Das Flair der Stadt ist einzigartig. Da ich aber auch vorbelastet bin, verkneife ich mir mal jede weitere Lobhudelei.  Ulli, die zum ersten Mal dort war, war auf jeden Fall auch recht angetan.  Und eine Karte um mich in der Stadt und Region zurecht zu finden, brauche ich immer noch nicht. Das Gedächtnis funzt trotz meinem biblischen Alter noch recht passabel :-) Die Pont d´Avignon, der ehemalige Papstpalast und die Altstadt mit ihren engen Gassen sind auf jedenfall sehenswert. Weiter gings über Tarascon/Beaucaire nach Les Baux de Provence. Wenn man von Tarascon auf der D99 kommt , sollte man kurz vor St.Remy-en-Provnce die D27 in Richtung Les Baux-en-Provence fahren. So kommt man von „hinten“ an das malerische Dorf und fährt auch noch ne Klasse Strasse durch die Chaine des Alpilles. Les Baux zählt ohne Zweifel zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs, dementsprechend gross ist auch der Busparkplatz !

In St Remy-en-Provence war Mittagspause angesagt. Ein Rundgang über den örtlichen Wochenmarkt lies uns das Wasser im Mund zusammen laufen. Alles was die Region hergibt wurde dort auf üppigen Markttischen abgeboten. Käse, Wurst, Oliven ... alles was das Herz und der Magen begehrt. Einen Salat Nicoise und einen Chevre Chaud gabs als leckeres Mittagessen ! Dazu ein kleines Glässchen Rosé ....Mahlzei

 

Über Cavaillion gings jetzt Richtung Moustier-Ste-Marie. Das liegt in der Nähe des Lac de St.Croix. Und genau dieser Stausee wird vom Verdon gespeist. Der geneigte Leser erkennt das nächste Ziel unserer Tour !
 
 

Grand Canyon du Verdon – die Mutter aller Schluchten 

Der zweitgrösste Canyon der Welt, nach dem Grand Canyon in den USA, ist schon
absolut fantastisch und für jeden Moppedfahrer eigentlich eine Pflichtveranstaltung. Auf jeder Seite des Canyons verläuft ne Strasse um die Schlucht. Einmal das Naturwunder zu umrunden erhöht den Tachostand um ca 110 Km. Allerdings sollte man sich dafür genug Zeit nehmen und ne leere Speicherkarte in der Digicam haben. Wer noch nie dort war kann ruhig einen Tag  einplanen. Vom Lac de Ste-Croix kann man bei guter Witterung mit dem Tretboot in die Schlucht fahren. Sollte man sich unbedingt geben. 

Die andere Möglichkeit um in die Schlucht zu kommen ist ...laufen. Man kann die ganze Schlucht durchwandern, was aber seine Zeit dauert und entsprechende Ausrüstung voraussetzt.. Die Kurzversion, die wir nutzten, lautet von Castellane auf der D952 kommend geht es nach ein paar Kilometern von der Hauptstrasse ab und die D23B führt auf den Grund des Canyons. Dort geht’s dann zu Fuss weiter ! Mehrere Tunnel ermöglichen einen Spaziergang auf dem Grund des Verdon. Allerdings sollte man unbedingt ne Taschenlampe dabei haben sonst wird das Ganze nichts.

In Aiguines fanden wir ein richtig kleines und schnuckeliges Hotel. Wie aus dem Bilderbuch und mit einem fantastischen Blick über den See. Das „Altitude 823 “ ist absolut zu empfehlen. Das trifft natürlich auch auf die Küche zu.Castellane war am nächsten Tag der erste Caféstopp. Ziemlich touristisch das Ganze und jede Menge Campingplätze lassen erahnen was hier im Sommer los ist. Weiter gings zum Gorges du Loup. Die Fahrerei im Hinterland der Cot dAzur ist erste Sahne und wird wohl mal ne eigene Reise in die Region werden. Sehr gut ausgebaute Strassen mit schnellen Kurven reizen zur etwas flotteren Gangart. So sieht dann auch der Vorderreifen aus.


Und dann kam es wie der Wetterbericht schon die ganze Zeit angekündigt hatte… Der grosse Regen. Anfänglich noch harmlos , aber dann. In Nizza auf der Promenade des Anglais noch ein Foto gemacht und raus auf die Autobahn in Richtung Italien. In Diano Marina war es das übliche Drama mit dem Hotel! Viel Geld für nichts. Wenn ich da an das Hotel Roma in Marina di Massa zurück denke  - kein Vergleich.

Tja und die Heimfahrt am nächsten Tag ? Übelst ! 6 Stunden im Starkregen, bis hinter den Gotthard. Dann klarte es langsam auf und und die Regenklamotten konnten wieder im Koffer verschwinden.

Irgendwann ist man/frau auch froh wenn das Mopped aus ist …

Aber die Planungen für die nächste Tour laufen ja schon …wohin ? Keine Ahnung   

Ich bin zwar der französischen Sprache schon etwas mächtig, wobei ich allerdings mächtig Nachholbedarf hab. Vor allem im gastronomischen Bereich ...französische Speisekarten sind nichts für Leute ohne entsprechende Grundkenntnisse. Da kann man ganz schnell sein persönliches Waterloo im Restaurant erleben. Alternativ gibt’s sonst halt nur Pizza, Steak oder Fastfood, wobei man dann einen wesentlichen Teil Frankreichs verpasst. Deswegen gehörte diesmal ein Essdolmetscher „ Wörterbuch der Gastronomie“  zum erweiterten Hausrat im Topcase. In diesem Buch sind allein ca 61 verschiedene Zubereitungsarten für Kartoffeln aufgeführt Hat sich jedenfalls gelohnt, da wir nun auch die Feinheiten lesen und vor allem verstehen konnten :-)

Was allerdings erschreckend ist, sind die, für deutsche Verhältnisse, enormen Getränkepreise! Nach der Fahrt gönne ich mir gerne ein wohl verdientes Bier. Bei Preisen von bis zu 6 Euro pro halben Liter Bier schmeckt es mir allerdings nicht mehr. Und wer glaubt ne Cola. Limo oder ähnliches sei billiger …0,33l kosten auch so im Schnitt 2,60 - 3 Euro. Eigentlich unverschämt – finde ich. Ebenso wie das „Frühstück“ in den Hotels. Stück Brot, eine Einwegpackung Marmelade und eventuell sogar nen Glas O-Saft … 6 -10 Euro je nach Hotel. Da lob ich mir nen Grand  Creme in der nächsten Bar und was Leckeres beim Bäcker geholt. Viel billiger und besser !

Aktualisiert (Freitag, den 15. Januar 2010 um 18:56 Uhr)