Jura und etwas weiter

Jura und etwas weiter ...

Samstag morgen, kurz vor acht Uhr .... Die ersten 280 KM liegen schon hinter uns ! Da hat man sich den Café Creme in der Raststätte an der Deutsch-Schweizerischen Grenze redlich verdient. Trotz der Ferienzeit jetzt im Juli war die Autobahn leer. Nur einige Niederländer mit ihren fahrenden Häusern waren unterwegs und auch ein paar Moppedfahrer, die aber ihre Bikes auf dem Anhänger spazieren fuhren. Auch eine nette, für mich aber sonderbare Art sein teures Spielzeug zu bewegen.

Strahlender Sonnenschein begleitet uns während wir die Landstrasse in Richtung Delemont fahren. Der kundige Leser ahnt schon wohin uns die Reise führen wird  .... ins Jura ! Ich war schon lange nicht mehr in meiner erklärten Lieblingsgegend und die bessere Hälfte hinter mir sagte auch nicht Nein zum angepeilten Ziel.

Bei Bassecourt gab es ein erstes kleines Highlight der Reise, den Gorges de Pichoux. Ist nicht zu vergleichen mit den gigantischen, imposanten Schluchten in den Cevennen, Vercors oder sonst wo in Frankreich, aber für den Anfang nicht schlecht ! Goumois, Maiche und dann zum obligaten, traditionellen Stopp in Saint Hippolyte. Das Sandwich war auch schon mal besser , die Preise niedriger ... 14 Euro für 2 Café und 2 Baguettes sind dann ein Wort. Irgendwie muss wohl die Renovierung des Hotels refinanziert werden.

Das Dessoubretal ist ein absolutes Muss, wenn man in der Gegend ist. Auf bekanntem Terrain fuhren wir über Morteau, Fleurier, La Cluse-et-Mijoux, am Lac de Saint-Point nach Mouthe zum nächsten Cafe. Wem die Orte nichts sagen, kann ja mal auf der Karte von Google Maps nachsehen wo wir waren. Das werden wohl auch die meisten machen müssen, da man so gut wie keine deutsche Biker in der Gegend sieht. Mir völlig unverständlich aber dafür ist es auch recht leer. Sollen sich alle in den Dolos stapeln. Hier hat man – noch – seine Ruhe !

 

  Pano  Lac de Saint-Point

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Mouthe ist eines dieser typischen Dörfer im Hoch-Jura. Irgendwie scheint hier noch die Zeit still zu stehen. Die typischen, grossen, Blumen geschmückten Bauernhäuser mit ihren Blechdächern, die Kirchen mit den charakteristischen glockenförmigen Türmen. Das ist auch ein Teil was den Reiz dieser Gegend für mich aus macht.Auf den Weiden stehen jede Menge Kühe mit grossen Glocken um den Hals, wie m,an es eugentlich aus der Schweiz gewohnt ist. Das Gebimmel ist auch der einzige „Lärm“ den man hier hört. Ansonsten ist es herrlich ruhig und man geniesst seinen Café au lait im freien und lässt sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Im Winter ist das wohl ne ausgezeichnete Wintersportgegend und recht Schnee sicher. Das Hochtal ligt auf über 900 m Höhe und Mouthe gilt in Frankreich als „klein Sibirien“. Warum ? Weil hier im Winter –minus 30 Grad keine Seltenheit ist und die kälteste jemals in Frankreich gemessene Temperatur bei Minus 41 Grad lag. Da ist dann nichts mehr mit Mopped fahren. 

In Saint-Laurent-en-Grandvaux stehen wir an der Kreuzung und überlegen den  weiteren Verlauf der Route. Praktisch wenn man kein Navi hat, sondern noch als freier Mensch entscheiden kann, wo man hin will. Nicht auf ein Stück Silizuim hören zu müssen hat was für sich. Die Michelin Strassenkarte gibt einem praktisch den Weg vor ... einfach nur die kleinen gelben Strassen mit grünem Rand nach fahren. Da ist man in der Regel auf der sicheren Seite.

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Die Route am Pic de l´Aigle vorbei in Richtung Cogna und dann über Chatel de Joux nach St.Lupicin. Sofort sieht man an den Reifen die Spuren der Kurven. Was ein herrlicher Asphalt, der klasse Schräglagen ohne Bedenken zulässt. Auch hat jetzt die Gegend mal wieder ihren Charakter geändert. Waren wir vorhin noch auf der Hochebene geht es jetzt Bergauf und Bergab, wobei die Berge schon deutlich über 1000 m Höhe haben. Also ist für den entsprechenden Spassfaktor gesorgt. Ausserdem ist es in den Tälern recht warm, so sind wir froh als wir wieder aus  Oyonnax raus kommen und die Route nach St Germain-de-Joux einschlagen.  Wer Lust hat kann ja mal die Route nach fahren ... der wird dann unsere Begeisterung für die Gegend wohl hoffentlich verstehen.

Der Rest der Tagesetappe von Chatilion-en-Michaille, Seyssel zum Lac Bourget  ist schnell gefahren. Es ist wieder ne völlig andere Landschaft und man sieht am Horizont die Gipfel der Alpen. Mit diesem eindrucksvollen Panorama als Kulisse ist Aix-Les-Bains schnell erreicht. Das Thermometer zeigt inzwischen auch wieder deutlich über 30 Grad so das wir froh sind als wir im Hotel Campanile einchecken und die Fahrerei ein Ende hat. 730 Km war die erste Etappe lang und es war sicher nicht die schlechteste Fahrerei !

Campanile ist eines dieser typischen französischen, standardisierten „Kettenhotels“ wie Ibis , Mercure oder Formule 1. Man weiß, dass man ein gewisses Niveau erwarten kann und das war es auch schon. Restaurant ist in diesem Fall auch dabei, so dass man nicht mehr groß nach was zu Essen suchen muss. Soweit so gut. Dann kann man noch über die Preise maulen , Zimmer 71 Euro ohne Frühstück, das Essen auch mal so la la, dafür auch nicht billig. Aber dann .... wenn ich nach langer Fahrerei mich abends auf meine wohlverdientes kühles Bier freue kommt der Hammer. Geschlagene 6,50 Euro kostet ein halber Liter frisch gezapftes Bier. Die haben sie doch nicht mehr alle. Da sind ja die Benzin Preise noch im grünen Bereich. 6,50 Euro für nen Bier – da kann ich mich aufregen. Aber wirklich !


Um 7 Uhr sind wir am nächsten Morgen schon wieder auf Achse und fahren die paar Kilometer über Chambery, Albertville nach Bourg-Saint-Maurice. Die Sonne von einem tiefblauem Himmel scheinend, die Berge vor der Nase und die Aussicht gleich den ersten Pass des Tages zu fahren. Biker, was willste mehr? Logo, erst mal einen Café. Bevor es zur Passhöhe des kleinen St Bernard hochgeht, halten wir noch an einer kleinen Bäckerei in Séez an. Die Croissants und das  Pain au Chocolat noch selbst gemacht und wunderbar im Geschmack. Welch ein delikater Genuss ! Das es so was noch gibt ... wo alle Welt Zeug aus irgendwelchen mc-donaldisierten Foodfabriken essen (muss). Ich finde das bemerkenswert, das sich jemand die Mühe macht und das es noch Leute gibt, die mit handwerklicher Tradition, mit dem nötigen Wissen und Können Spitzenprodukte herstellen. Daher hab ich es aufgeschrieben, auch wenn es nur so profane Sachen wie Backwaren sind. Mich hat das beeindruckt.

 

   

  Pano  kleiner St Bernhard Pass

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Die Rennradfahrer und die Berge  ... ein Kapitel für sich in Frankreich. Das ist Volkssport hier oder vielleicht sollte ich besser sagen - eine Passion? Auf jeden Fall ein sehr beliebtes Hobby und dementsprechend viele Leute, Monsieur wie Madame, strampeln schon zu dieser frühen Stunde den Berg hoch. Ich bin froh, wenn ich im Odenwald mit dem Velo die Minibuckel hoch komme! Da kann man nur sagen ... Chapeau !        

Mal wieder in Italien ... waren wir ja schon lange nicht mehr . Drei lange Wochen ohne nen guten Café an der Bar. Aber das Aostatal auf der anderen Seite des kleinen St Bernard Passes ist zum Mopped fahren nicht so der Knaller. Deswegen wurde der Italienaufenthalt durch ein Stück Autobahn abgekürzt. Im Tal war es auch ziemlich warm, so dass wir froh waren, als wir endlich die Auffahrt zum großen St Bernard Pass ´erreicht hatten. Der Pass ist ja zweigeteilt was die Auffahrt in Italien betrifft. Ein Teil der Strasse ist überdacht und verläuft dann in einem Tunnel unter dem Berg in die Schweiz. Extra für Dosenfahrer gemacht und da sollten sie eigentlich auch fahren. Aber Pustekuchen ... auf der schmalen Strasse trifft man Hinz und Kunz. Natürlich die obligaten Wohnmobile, die die Luft verpesten und sich die enorme Steigung hoch quälen. Was macht den Reiz aus mit den fahrenden Hütten da hoch zu kriechen  ? Muss mir einer mal bei Gelegenheit erklären. Aber der absolute Knaller ... einer hat sein Boot mit auf den Berg genommen. Ein richtig grosses Motorboot auf dem Trailer, so breit, das kaum einer vorbei kam. Was macht man mit einem Boot in über 2400m Höhe ? Manche sind echt reif für die Insel !

 

  Pano  Grosser St Bernhard Pass

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Der Weg bergab nach Martigny zieht sich auf Schweizer Seite in die Länge und das Sitzfleisch fängt dann langsam an zu murren. Ein Blick auf die Uhr mahnte auch zur baldigen Heimkehr. Ein kurzer Nachmittagssnack an einer Raststätte vor Montreux und los ging es in Richtung Heimat. Den ganzen Tag fuhren wir vor dem drohenden Wetterumschwung her. Aber auf der Höhe von Fribourg war dann Schluss mit lustig und das Gewitter war leicht heftig. Was will man machen? Ganzkörperkondom angezogen und  weiter fahren. Übrigens die erste Regenfahrt dieses Jahr ! Nach 780 Km Tagesstrecke kamen wir dann zu Hause an. Und das Beste daran ? Das Bier im Kühlschrank war eiskalt, fast für umme und schmeckte lecker !

Die Bilder zur Tour gibts wie immer hier 

Aktualisiert (Dienstag, den 05. Januar 2010 um 19:00 Uhr)

 

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