Eine spontane Tour
Eine spontane Tour
Nach einer Woche Dauerregen kann man dann schon mal depri werden ….
Aber es war ja mit einigenTourbikern für Samstag ne Tour in die Vogesen geplant und der Wetterbericht hatte auch nichts dagegen. Im Gegenteil – soviel vorneweg zur Theorie.
Oliver und Rainer waren pünktlich am bewährten Treffpunkt - die Raststätte Hardtwald. Das Himmel war grau in grau und es sah nicht gut aus. Aber wir wagten mal den Versuch und brachen auf in Richtung Süden. Allerdings wurde das Wetter mit jeden Kilometer ….schlechter! Irgendwann fing es dann an zu nieseln, was natürlich Bullshit war und weder vom Schwarzwald noch von den Vogesen war auch nur eine Spur zu sehen. Oliver hatte die Nase voll und drehte bei Lahr kurzerhand um und fuhr wieder gen Heimat. Rainer, Ulli und meiner einer fuhren mal weiter bis zur Tanke in Hausen bei Bad Krotzingen in der Hoffnung auf Wetterbesserung. Das war natürlich völliger Nonsens denn bei Freiburg schüttete es wunderbar. Was tun sprach Zeus bzw. Petrus? Kurzer Blick und ein paar Takte gesprochen . Wir fahren weiter bis das Wetter besser wird. Der Beginn einer extrem guten Tour nahm seinen Anfang!
Hinter Basel wurde das Wetter dann etwas besser und es kam schon erste Hoffnung auf. Vielleicht könnte man ja weiter im Süden ins Jura „abbiegen“. Also immer tapfer weiter in Richtung Genf. Als alte Tourenbiker ist das ja auch kein Problem. Und die paar Kilometer sitzen wir auf einer Backe ab. Aus der Tagestour wurde dann schliesslich ne 2 Tagestour, da an ne Rückfahrt nicht zu denken war, zumal schon Grenoble erreicht war ! Nach knapp 700 KM Autobahn war es dann genug mit der Kilometerfresserei. Aber gelohnt hatte es sich auf jeden Fall! Strahlend blauer Himmel und ein gigantisches Panorama auf die Stadt und die Alpen. Ein erster ausgiebiger Fotohalt, dem aber im Verlauf der Tour noch weitere folgen sollten.
Vercors war –wieder mal – angesagt. Wir waren ja schon Anfang Mai in der Gegend, aber kein Grund nicht noch mal hin zu fahren. Café und ein Eclair in Lans-en-Vercors zur Stärkung bevor es zum Gorges de la Bourne ging. Ich denk mal Rainer war recht beeindruckt von der Gegend. Uns ging’s nicht anders, als wir das erste Mal dort waren und auch nun war es wieder ein Erlebnis diese grandiose Natur zu erleben und zu genießen! Foto hier, Foto da – Motive ohne Ende und ein zügiges Vorankommen ist illusorisch. Aber wer hier rast hat ein Problem. Geht aber wohl nicht so ganz bei der „Breite“ der Strasse.
P
ont–en-Royan am Ende der Schlucht ist immer nen Besuch wert. Weiter zum nächsten Highlight der Tour …dem Combe Laval. Dieses Mal hatten wir mehr Glück mit dem Wetter und das schöne Wetter lud geradezu ein die Panoramastrasse entlang zu fahren. Foto, Foto, Foto …aber wer schon mal hier war weiß auch warum. Aber trotzdem können Bilder die Landschaft nicht richtig wieder geben. Das muss man sich schon selber geben . Das Gleiche gilt für den Col de Rousset, dem nächsten Etappenziel. Welch eine Aussicht auf die Berge des Vercors. Bis weit nach Süden in die Provence reicht der Blick. Fantastisch !
Langsam neigt sich der Tag dem Ende entgegen und die Suche nach einer Übernachtungsmöglichkeit beginnt. In Die, am Fuße des Col de Rousset, wollen wir unser Glück versuchen. Die ist ein schönes kleines Städtchen mit mediterranem Flair. Die ersten Lavendelfelder künden die Nähe zur Provence und machen Lust auf mehr. Hauptsaison –Hotel complet – dieses Schild sehen wir dann leider öfters. Schöne kleine Landhotels an der Strasse, alle besetzt. Echt Schade, denn sie machen einen durchaus einladenden Eindruck.
Aber weit und breit nichts und wir müssen dann doch noch über den Col de Menee. Ein toller Pass, aber nicht wenn man auf der Suche nach ner Bleibe für die Nacht ist und schon 850 Km Strecke hinter sich hat. Die Strasse schlängelt sich den Berg teilweise im dichten Wald hoch und runter. Die Fahrbahnbreite mahnt zu vorsichtigem und besonnenem Tempo, außerdem liegen in den unübersichtlichen Kurven dauernd Steine und Geröll. Dazu gibt es noch Spezialisten unter den Autofahrern, die die Kurven schneiden. Da ist schnelle Reaktion und das Wissen wie man ein Mopped gekonnt bewegt gefragt! Es bedarf schon einiges fahrerisches Können um hier präzise, aber dennoch recht flott durch zu kommen. Genau der richtige Job für Rainer! Mit ihm kann man so was machen. Ich kenne nur ganz wenige Leute, die dermaßen exakt und konzentriert auf langen Strecken so präzise und auch zügig fahren könnenAuf der anderen Seite des Berges bei Clelles angekommen …ein Schild „Logis de France“ in 2,5 KM Entfernung. Und tatsächlich, im Hotel „ Au Gai Soleil du Mont Aiguille “ hat es noch 2 freie Zimmer. Nicht der Hit, aber besser wie nichts und unter der Brücke schlafen. Das Hotel liegt absolut idyllisch am Fuß des Mont Aiguille, dem Vorzeigeberg des Vercors. In jedem Prospekt der Gegend vertreten. Sieht auch echt gut aus und macht was her! Typisches französisches Frühstück am Morgen, bisschen Marmelade, Butter und frisches Brot. Andere Länder andere Sitten. Aber so hab ich mal für ne Weile meine Ruhe und kann fahren ohne dass jemand mault und Hunger hat. Die Ortskenntnisse helfen auch bei der Suche nach ner Tankstelle. Dermaßen gestärkt und mit ausreichend Benzin im Tank, kann es zur weiteren Tour losgehen.
Von Clelles aus über Mens nach La Mure. Klasse Gegend zum Fahren und mir bis jetzt völlig unbekannt. Nichts los auf der Strasse und wie könnte es anders in Frankreich sein …eine wunderbare Landschaft … wieder ne Schlucht. An der Pont de Ponsonnas, 103 m hoch, ist Bungee Jumping angesagt. Schon der Anblick in die Tiefe überzeugt mich – sans moi – ohne mich!
Über den Col d´Ornon nach Bourg d´Oisan zur ersten Cafe Pause des Tages. Hier waren wir ja schon öfters und kennen den Ort von früheren Touren. Die Tour de France macht hier öfters Station und daher ist der Radsport Enthusiasmus der Einheimischen auch zu erklären. Von hier aus geht’s nach Alpe d´Huez; der berühmt berüchtigten Einzelzeitfahretappe den Berg hoch. Für uns geht’s dann auch aufwärts, allerdings in Richtung Col de Lautaret. Man merkt das es Sonntag ist und auch Urlaubszeit. Recht viel Verkehr quält sich den Anstieg hoch. Wohnmobile, Autos mit Wohnwagen und immer wieder Radfahrer. Mit dem Bike ist aber meistens problemloses Überholen möglich.
Auf der Passhöhe geht’s links rum. Wohin ? Natürlich zum Col du Galibier ! Schon oft oben gewesen, aber selten bei so einer guten Fernsicht und so vielen Leuten. Man findet kaum nen Parkplatz soviel ist auf dem Gipfel los. Autos Motorräder und die allgegenwärtigen Radfahrer. Wer hier mit dem Velo hoch kommt …Respekt! Ein paar Fotos gemacht und ab geht’s ins Tal. Was in diesem Fall allerdings dauert. Das sind einige Kilometer bis St Michel de Maurienne wobei ja noch der Col de Telegraph hinter Valloire kommt. Da freuen sich die Bremsscheiben und –beläge. Man könnte natürlich auch langsamer runter fahren … aber Madame la Sozia soll ja auch ihren Spass haben. Immer schön festhalten und nicht die Gegend anschauen sonst gibt’s wieder ne Flugeinlage J Um nach Albertville zu kommen, nehmen wir die Autobahn um etwas Zeit zu sparen. Außerdem ist die Route National sicher nicht der Knaller in dem Fall. Frisch getankt geht’s weiter in Richtung Les Saisses. Die entgegen gesetzte Richtung bin ich ja vor kurzem mit Mimoto und Kids gefahren. Aber was ist jetzt in den Orten wie Les Saisies, La Clusaz oder auf dem Col des Aramis los. Überall Menschenmassen ohne Ende. In La Clusaz dürfen wir auch noch wegen nem Umzug des örtlichen Heimatvereins ne Zwangspause einlegen. Da werden Viecher durch den Ort getrieben und ein paar Brauchtumswagen schaukeln hinterher. Das Ganze wirkt auf mich so echt wie Schnee in der Sahara. Aber wenn es den Leuten gefällt – bitte.
Thones ist der letzte Halt um was zu essen und zu trinken bevor ein Blick auf die Uhr sagt was Sache ist. Nämlich Heimfahrt und zwar sofort. Von Genf bis nach Hause sind es ziemlich genau 5 Stunden Fahrt ( „Erfahrungswert“ )
War voll krass das Ganze und so was ist sicher nicht jedermanns Sache. 1800 Km in 2 Tagen sind nicht wenig, aber die Eindrücke der Tour wirken sicher nach und kompensieren die Autobahn Kilometer.
… a la prochaine!
Aktualisiert (Sonntag, den 28. Februar 2010 um 11:47 Uhr)