
Es war mal wieder an der Zeit was anderes zu sehen. Immer nur in Frankreich seine Runden drehen ist auch nicht das Wahre und so stand das Ziel der Reise schon lange im Voraus fest. Ein paar Gleichgesinnte waren auch schnell gefunden und so konnte die Tour beginnen. Abruzzen – here we come
In Basel war der Treffpunkt und aus allen Himmelsrichtungen trudelten wir ein. Stocki kam aus dem nahen Frankreich, er hatte dort Freunde besucht, und fuhr somit den kürzesten Anfahrtsweg. Viel weiter hatte es Herbert auch nicht. Er war am Wochenende im Schwarzwald und konnte sich gemütlich zum Treffpunkt trollen. Rainer, Ulli und ich hatten mal wieder ne besondere Karte gezogen. Montagmorgen auf der A5 nach Basel fahren hat was für sich. Aber wirklich brauchen tut das kein Mensch.
Nach einem ersten gemeinsamen Café setzten wir uns dann aufs Bike und spulten die ersten Kilometer gen Italien ab. Diese erste Etappe der Tour war recht anspruchsvoll, sprich die ca. 1000 Kilometer wollten erstmals gefahren sein. Aber als alte Langstreckenfahrer entlockte uns das nicht mehr als ein müdes Lächeln. Das Hotel am Lago Trasimeno war in weiser Voraussicht schon vorbestellt.So brauchten wir im Dunklen nicht nach einer Unterkunft suchen. Überaus freundlich wurden wir vom Padrone empfangen und er stellte gleich mal ein frisches Bier auf Kosten des Hauses auf den Tresen. Sehr symbadisch der Mensch

Motorrad Fahren macht hungrig, viel Motorradfahren macht dementsprechend ausgeprägten Kohldampf. Da das Hotel über kein eigenes Restaurant verfügt, machten wir uns auf die Suche nach einem ansprechenden Etablissement,was auch kein großes Problem in Passignano sul Lago darstellte. Bei Umbricelli mit Trüffel, Tagliatelle mit Steinpilzen und weiteren Leckereien begleitet von einer Flasche Colli del Trasimeno, einem guten Rotwein aus der Gegend, ließen wir den Abend standesgemäß ausklingen.
2. Tag
Langsam erwacht die Natur am Morgen und die Sonne wandert gemächlich über den Horizont, um den neuen Tag anzukündigen. Die beste Zeit also um die nächste Tagesetappe zu beginnen. Vorbei an Assisi, genau das mit dem heiligen Franz, geht’s über Foligno nach Spoleto. Unser erstes Ziel des Tages ist schon ab hier ausgeschildert. Auf Empfehlung des Hoteliers, der selbst Mopped fährt, nehmen wir die Straße nach Norcia. Elegant schlängelt sich die schmale Straße durch eine enge und tiefe Schlucht. Da kommt Freude auf beim Biken! War ein guter Tip vom Signore!

In Norcia werden die Moppeds abgestellt und die Kameras ausgepackt. Ein nettes kleines italienisches Städtle erwartet uns. Es gibt die übliche Piazza, die obligatorische Kirche, eine Art Triumphbogen, ein Denkmal für nen Benedetto (nicht den Bayrischen, der treibt ja noch sein Unwesen), die einladenden Straßencafés und Maultier Eier zum Essen. Aber hallo, das ist kein Witz! Coglioni de lu mulu hängen in den Türrahmen der einheimischen Spezialitäten Läden. Norcia ist bekannt für seine Schinken, Salamis und Käse. Alles von exzellenter Qualität, wie wir bei einem Selbstversuch äußerst befriedigt feststellen.Als I Tüpfelchen gibt es auch Trüffel, was aber den Rahmen des Budgets leicht übersteigt. Außerdem hab ich ja erst gestern Trüffel gegessen.

Ein letzter Blick auf die Monti Sibillini, welche Norcia überragen, und weiter geht die Fahrt Richtung Gran Sasso. Die regionale Michelin Karte ist im Maßstab 1:400.000. Eigentlich ne gute Karte um sich in der Gegend zu orientieren, dümmlicherweise ist die Straße, welche wir genommen haben nicht in der Karte eingezeichnet. Aber mein inneres Navi sagt mir, dass die Generalrichtung schon stimmen muss. Und was soll ich sagen … Auf einmal waren wir genau dort, wo wir hin wollten.Der Gran Sasso d Ítalia war direkt vor uns. Ohne Nebel hätten wir ihn sogar als Ganzes gesehen. So ein Mist, aber gegen das Wetter ist man machtlos. Immerhin gab es ein paar Lücken in der dichten Wolkendecke und wir konnten erahnen, welch eine imposante Landschaft dies sein muss. Ein weiteres Highlight, welches nur zu erahnen war, ist Rocca Calascio. Dort ist eine alte Burgruine (wobei ja Burgruinen eigentlich immer alt sind) und eine Kirche in exponierter Lage auf einem Hügel erbaut. DAS Fotomotiv schlecht hin in den Abruzzen. Da waren wir oben und haben außer Nebel nichts gesehen. Also muss ich ausnahmsweise auf fremde Fotos ausweichen. Aber nur solange wie ich mal wieder in der Gegend bin und eigene Fotos machen kann.

In Sulmona sind wir ausgiebig rumgekurvt. Es gab in der wirklich schönen Stadt, man merkt schon den beginnenden Mezzogiorno, einige Wegweiser zum Hotel Italia aufgestellt. Gefunden haben wir aber kein Hotel Italia, statt dessen hat uns Stocki´s Navi zu einem elementar und potthässlichen Betonsilo außerhalb der Innenstadt im Industriegebiet geführt. Das muss man sich auch nicht geben, war die einhellige Meinung. Der spontane Entschluss lautete: Wir fahren die paar Kilometer bis zum Meer und suchen dort ne Bleibe für die Nacht. Erster Regen machte die Fahrt aber nicht zum Vergnügen. Die Suche nach einem Hotel war alles andere als einfach. Aber in Francavilla al Mare wurden wir endlich fündig und bezogen Quartier für die Nacht.

Auf Empfehlung der Hoteliersgattin machten wir uns auf den Weg in ein nahe gelegenes Restaurant. Der Tip war gut und wir konnten wieder die wahre, ursprüngliche italienische Küche genießen. Oder hat jemand schon mal in Deutschland bei seinem Lieblingsitaliener Chitarre gegessen ? Na also, lohnt sich doch mal den Hintern hoch zu kriegen und was anderes zu sehen. Chitarre sind übrigens eine spezielle Nudelform aus der Region.
Nun kommt der 3.Tag der Reise
Aber bevor ich weiter schreibe, gibt es erst mal nen kleines Päusle. Kühles Zäpfle aus dem Kühlschrank holen und mal die Tasten ruhen lassen. Wer will, kann ja noch eine paffen gehen. Man trifft sich gleich wieder. Ich warte so lange.

Also, wo war ich stehen geblieben? Richtig ...Hotel in Francavilla … als ich morgens nach den diversen Krügen Rotwein doch noch wach werde, glaube ich was Ungutes zu hören. Kurz zum Fenster gespurtet und den Rollladen hochgezogen. Es schüttet wie aus Kübeln! Da kennen die hier nichts, kaum dass wir da sind, wird ausgiebig gewässert. Aber nicht mit uns! Kurzerhand und ohne Regenkombi geht’s auf die andere Seite des Stiefels. Toskana ist das neue Ziel. Was aber leichter gesagt wie getan ist. Italien ist nicht nur lang sondern manchmal auch breit – entfernungsmäßig gesehen.

Wieder auf die Dosenbahn und Kilometer geschrubbt. Alternative? Gibt's keine, es sei denn man, gehört der SM-Fraktion an und findet es geil im Regen in den Bergen zu fahren. Ab Rom wird es richtig warm und die Sonne scheint. Komisch gelle, aber ich glaube die italienischen Meteorologen trinken morgens schon was. Uns kann’s recht sein und wir genießen die 25,26,27 Grad. Fast schon wieder zu warm, aber man soll nicht klagen. Am Lago Bolsena wird ausgiebig gespeist. Jedem seinen Teller Nudeln und ein gemischter Salat als Vitaminbombe. Ulli und ich genießen die hausgemachten Gnocchi al Ragu. Böse Gerüchte sagen bei meinen Reisen wäre hungern auf Rädern angesagt … Üble Nachrede nenn ich das.

Nach dem Essen sollst du ruh´n oder weiter fahren tun. Diese alte badische Weisheit nehmen wir uns zu herzen und brechen auf in Richtung Pitigliano. Ich weiß nicht genau, wie man die Gegend nennt, müsste wohl Maremma sein, Toskana ist es auf jeden Fall, aber die Stadt ist echt sehenswert. Liegt herrlich auf einer Klippe umgeben von tiefen Schluchten und hat irgendwas mit Tuffstein zu tun. Müsste ich mal bei Wikipedia lesen und hier einfügen. Oder macht es einfach selber – spart mir Arbeit!
Hatte ich schon erwähnt, dass es heute mal geregnet hat? Vergesst es. In Albinia hat jemand (böse Geister oder Aliens?) versucht 5 arme Biker aus Germania zu ersäufen. Nicht schlecht der schütt, aber wer kann uns schon was an haben? Und nach 100 Km auf der Bahn war alles halbwegs wieder trocken.

Auf jeden Fall sind wir in Marina die Bibbona angekommen und haben recht schnell ne Hütte zum Übernachten gefunden (es hatten ja nur 2 Hotels noch auf) . Nicht gut aber auch nicht schlecht war das Hotel, Internet 3 Euro die Stunde und ZDF live und kostenlos im TV. Und der Zufall will es und ich sehe die Wettervorhersage bis Samstag/Sonntag. Sehr übel wird es in der Heimat und zu dem Popo kalt. Also geht’s am Freitag zurück.
Am Abend gibt es toskanische Küche. Crostinis, Antipasto Toscano und ähnliches was man dort so kredenzt. Wein war auch nicht übel. Es ist hier schon deutlich teurer als im Süden, ist aber noch im sozial verträglichen Rahmen.Das Wetter war nicht so gut, wir sind viel Dosenbahn gefahren, aber über das Essen kann man in Italien nur Gutes berichten!
4.Tag
Die Alpi Apuane….
haben nichts mit den Alpen zu tun, sondern gehören zum Apennin. Aha denkt sich der geneigte Leser und überlegt sich, wo diese Alpi Apuane denn wohl sind. Des Rätsels Lösung gibt es nun exklusiv hier und sofort. Ganz im Westen,wo die Toskana an das Mittelmeer grenzt, und die im Sommer proppenvollen Sandstrände der Versilia sind, erstrecken sich die Alpi Apuane von Nord nach Süd. So ungefähr zwischen La Spezia und Livorno. Die wohl bekannteste Stadt ist Carrara, aus welcher der weltberühmte weiße Marmor kommt. Hat ja wohl jeder im Badezimmer.

Ein flacher Küstenstreifen von geschätzten 10-15 Km und zack geht es steil in die Berge. Also ideal für Moppedfahrer mit hang zum Kurvenfahren und nichts für die Braincap Fraktion. Wirklich steil windet sich die Straße bei Massa den Berg hinauf und innerhalb kürzester Zeit genießt man den phantastischen Ausblick auf Stadt und Meer. Rainer, Ulli und ich waren ja schon mal hier und kennen daher die Gegend etwas. Aber eben nur etwas. Nach dem Halt in Castelnuovo di Garfagnana - schon wieder essen - beginnt auch für uns Neuland.

Wir nehmen die Straße zum Passo di Radici. In Campori gabelt sich die Straße zum Pass, links für alle, rechts für Lkw gesperrt. Weiter oben wussten wir, warum für Lkw gesperrt ist. Bei ausgeschilderten 18% Steigung und engen Spitzkehren wäre hier für jedes größere Vehikel Schluss.Aber für Motorrad Fahrer ist die Region wie geschaffen. Es macht wirklich Spass hier die Raster über den Asphalt schleifen zu lassen.Immer wieder von fantastischen Ausblicken in die Region belohnt. Kurz vor Maranello ist dann aber Schluss mit lustig und aus Bergen werden Hügel und aus Hügeln … Die Po Ebene
Die Po Ebene heißt deswegen Po Ebene, weil es für den Po ist, hier Mopped zu fahren. Italiener sind halt freundlichen Menschen in der Wort Wahl. Ich würde es drastischer ausdrücken bzgl. des verlängerten Rückens. Kurz vor Mailand drückt dann Stocki uns allen dann die Hand und verabschiedet sich Richtung Heimat. Der Rest quält sich noch eine Stunde durch den dicken Mailänder Berufsverkehr, sodass wir mit einer guten Stunde Verspätung in Lecco am Comer See eintreffen.

Das Preisgefüge hier am Comer See ist eher was für Leute mit dem Hang zum zweiten Girokonto. Man kann schon mal für ne Pizza 14-15 Euro bezahlen. Glücklicherweise war in der Nähe des Hotels eine günstige Alternative vorhanden, welche wir auch in Anspruch nahmen. Ok, wir haben auch schon besser gegessen. Dafür war der Wein nicht schlecht und der zentrale Absacker war schon lange fällig.
Die Rückfahrt
Nun bricht der letzte Tag an, die Reise neigt sich dem Ende entgegen. Der strahlend blaue Himmel und noch recht angenehme Temperaturen laden direkt da zu ein noch ein paar Pässe vor dem nahenden Winter unter die Räder zu nehmen. Immer die Uferstrasse des Comer Sees entlang, unterbrochen von nem Fotostop für uns der Weg gen Chiavenna. Dort teilt sich die Strasse, man kann den Weg über den Splügenpass wählen um direkt in die Schweiz zu kommen oder aber, was wir bevorzugten den Passo del Maloja wählen. Eine traumhafte Sicht auf die umliegenden Gipfel der Alpen machte die Fahrt zu einem Genuss und die Speicherkarte der Canon füllte sich zusehends.

Dann noch ein Café auf dem Julierpass, und die Alpenepisode der Fahrt näherte sich dem Ende. Das schöne Wetter meinte auch, es wäre genug und stellte sein Wirken abrupt ein. Nur noch bewölkt war es und die Temperaturen fielen in den Keller. War kein schöner Abschluss der Tour und wir froren auf den verbleibenden Kilometer bis nach Haus nicht unerheblich. Hätte so nicht sein müssen, aber c´est la vie.
Somit endet der Bericht über unsere Italien 2010 an dieser Stelle.Wir sind alle gesund und munter daheim angekommen und planen schon wieder. Vielleicht gibt’s ja noch den einen oder anderen schönen Tag für ne herbstliche Tour.
Ich hoffe es hat etwas Spaß gemacht, über das Erlebte zu lesen und die Bilder zu betrachten. Würde mich nicht wundern, wenn es nächstes Jahr wieder etwas aus Italien zu berichten gäbe.
Ciao e alla prossima
Die Route

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Aktualisiert (Mittwoch, den 20. Oktober 2010 um 20:36 Uhr)
