Eine kalte Tour
Kalt ist es, einfach nur kalt
Die Wetterfrösche hatten doch recht mit ihrer Vorhersage, dass es am Sonntag deutlich kühler werden sollte. Reichlich durchgefroren zieh' ich den Schlüssel mit klammen Fingern aus dem Zündschloss der FJR und lasse die vergangenen zwei interessanten und ereignisreichen Tage unter der warmen Dusche Revue passieren
Samstag Morgen und der Himmel ist Wolken verhangen. Da fragt man sich schon warum nur von Montag- bis Freitag Morgen die Sonne scheint. So kann man dann während der Fahrt über diese epochale Frage philosophieren und die Zeit geht schneller vorbei. Aber ab Strasbourg ist auch dies müßig, da sich blauer Himmel zeigt und die Temperaturen sich in Richtung etwas wärmer bewegen Und das ist auch gut so, denn ist es doch recht frisch und die Kälte kriecht langsam durch die dicken Winterhandschuhe.
Der erste Grand Crème mit frischen Croissants gibt es inside beim Patissier in Ferrette. Bissle Wärme brauchen die kalten Finger noch bevor es ins Jura geht und draußen sitzen wäre doch etwas übertrieben, obwohl die Sonne langsam die kühle Luft erwärmt.Schon erstaunlich was es da an kleinen Strassen neben den mir bekannten Routen gibt. Die 22 KM von Montfaucon nach St Ursanne sind so ein Beispiel. Landschaftlich sowieso ein Genuss und fahrtechnisch auch nicht von schlechten Eltern.
Den Vormittag vertrödeln wir im Jura, erfreuen uns an Flora, Fauna und Kurven, kommen langsam aber sicher am Nachmittag in den Süden. In St. Claude wollten wir eigentlich übernachten. Dazu ist es aber reichlich früh am Tag. Also rauf zum Col de Faucille. Immer gern gefahren, da landschaftlich sehr schön …solange kein Nebel die schneebedeckten Gipfel umwabert. Die Sicht auf dem Pass tendiert zu trüb bis nix. Normalerweise sieht man die ganze Alpenkette von hier oben. So beschließen wir noch ein Stück weiter zu fahren. Letztendlich landen wir in Thônes. Das Hotel du Midi kenn' ich noch von einer früheren Tour mit Mimoto und das Restaurant im Hotel du Commerce ist über die jeden Zweifel erhaben! Die hausgemachten frischen Ravioli mit Flusskrebsen, der überbackene St. Marcellin, … man kann ins Schwärmen kommen angesichts der vorzüglichen Küche. Und das alles für ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis. Absolut zu empfehlen!
Sonntag Morgen und die Sonne scheint von einem klaren Himmel. Über den Col des Aravis soll es in Richtung Chamonix gehen. Auf dem Weg zur Passhöhe begegnen sich Autofahrer mit Skiern auf dem Dachträger und eine einsame FJR mit zwei dick vermummten Gestalten.Fragt sich, wer den anderen blöder anschaut Kurz nach der letzten Ortschaft geht es im dichten Nebel mit 20 Km/h den Berg hinauf. Erste Zweifel kommen auf, ob die Idee so gut war. Außerdem habe ich Bedenken, ob nicht hinter der nächsten Kurve gefrorenes Wasser, gemeinhin als Glatteis bekannt, auf der Strasse ist. Ca 100 Höhenmeter unterhalb der Passhöhe kommt dann der Knaller. Glasklare Luft, die Sonne scheint und ein atemberaubendes Panorama bietet sich uns. Eine tief verschneite Winterlandschaft mit einer grandiosen Bergkulisse im gleißenden Sonnenlicht.
Einfach fantastisch !
Das entschädigt für einiges und wir können uns kaum vorstellen, dieses Erlebnis zu toppen. Zumal im Tal bei Megève wieder eine dunkle Wolkendecke sich vor die Sonne geschoben hat. Da ist man schon einmal hier in der Gegend und nichts ist mit Berge. Ein Paar Kilometer noch bis Chamonix es wird wieder langsam heller. Und ? Auf einmal das majestätische Mont Blanc Massiv im Sonnenschein. Der Wahnsinn ! Und was für hohe Berge – das Dach der Alpen. Als kleine Punkte erkennt man Skifahrer, die Berghänge hinunter wedeln. Uncroyable !
Leider steht die Sonne sehr ungünstig, sodass ich ins Gegenlicht und den hellen Schnee fotografieren muss. Hier kommen Mensch und Foto an ihre Grenzen. Einige Pics halte ich dennoch für halbwegs gelungen und zeig sie hier mal.
Auf der Passhöhe des Col de Forclaz zeigt das Thermometer schlappe null Grad, dazu ein schneidend eisig kalter Wind. Nichts wie runter ins Tal nach Martigny. Die Obstbäume und Blumen blühen, wir tauen auf und tanken nebenbei billiges Schweizer Benzin.Die Autobahn nach Lausanne führt direkt am Genfer See vorbei und ein beeindruckendes Alpenpanorama tut sich ein letztes Mal auf, bevor wir in Richtung Norden nach Yverdon fahren.

Hier geht’s wieder ins Jura, um bei St. Croix in über 1100 m Höhe festzustellen, dass es einfach zu kalt ist hier oben seine Kreise zu ziehen. Die Strecke über Pontarlier bietet sich an. Der schnellste Weg um in Richtung Besancon wieder in flache Regionen zu kommen. Ein letztes zugiges und kühles Picknick im Tal der Doubs stärkt uns für die Heimreise. Eine klasse Tour neigt sich dem Ende entgegen. Noch 3 Stunden frieren bis nach Hause.
Kalt ist es, einfach nur kalt.
Aktualisiert (Montag, den 06. Dezember 2010 um 21:19 Uhr)
