Rückfahrt
Und dann war es soweit. Der Tag der Abreise war gekommen. Der Urlaub neigt sich dem Ende entgegen und wir müssen in Richtung Heimat aufbrechen. Braganca , Mont-de-Marsan, Lac Chandon, Laudenbach .... liest sich schnell, oder ?
Nachdem alles verstaut war, ein letzter wehmütiger Abschiedsblick in Richtung Meer und los ging es. In Costa Nova war eine ausgedehnte Frühstückspause bei strahlend blauem Himmel angesagt. Keine Wolken am tiefblauem Firmament, so dass noch ein kleines Foto Shooting eingelegt wurde. Bis dort waren wir die mautpflichtige Autobahn gefahren und was soll ich sagen ? Hier gilt das gleiche wie in Spanien : Moderne Raubritter. Dafür sind die Strassen auch Tip Top, 3 spurig ausgebaut und fast verwaist als wir dort fuhren. Selten mal ein anderes Fahrzeug zu sehen, niemand über dessen Fahrstil mann sich aufregen könnte. Reg ich mich halt über die leere Autobahn auf, so geht die Zeit auch vorbei.
So war das und auf ein mal waren wir auch schon wieder im Norden. Kurven ohne Ende, Berge soweit das Auge reicht und ne Hitze wie im Backofen (200 Grad Umluft, Gas weiß ich nicht) Was war es am Meer so schön kühl. Madame la Sozia war das alles zu viel, und legte sich umgehend im Hotel IBIS in Braganca direkt ab. Ist halt immer die Frage ... Komplett in Sicherheitskleidung fahren und langsam gegart werden, oder wie ich im T-Shirt rum kurven. Beides ein Risiko ....
Also ging ich einsamer Kerl in der grossen, fremden Stadt in die nächste gegenüberliegende Bar. Bei der Ankunft dort sofort ein kühles Bier geordert und bezahlt. Was soll ich sagen ... 80 cent kostet ne Düse hier. Also eben mal die Hälfte wie im Hotel. Angesichts dieses enormen Einsparungspotentials hab ich gleich noch eine getrunken. Viel heiß = viel trink ! Sagt auch der Arzt !!!
Noch 60 KM bis Zamora und der böige Seitenwind ist nicht von schlechten Eltern. Geradeaus geht die Strasse in Richtung Osten, einfach immer nur geradeaus. Trotzdem fahren wir mit leichter Schräglage. Die Bevölkerungsdichte tendiert hier im Grenzgebiet zwischen Portugal und Spanien gegen null. Kilometerlang keine Ortschaft in Sicht, nur ab und zu ein paar Ruinen am Straßenrand. Manchmal weht der Wind einen verdorrten Busch über die topfebene Fahrbahn. Ich komme mir vor wie in einem schlechten Western, fehlt nur noch das Django mit wehendem Mantel, Klapphelm und ner GS uns entgegen kommt. Als wir dann plötzlich am stahlblauen Himmel einige grosse Geier kreisen sehen, werde ich nachdenklich. Was ist wenn hier was passiert ? Wer ist zuerst da … Krankenwagen oder Geier? Hätte ich auch nicht gedacht , einmal als Vogelfutter zu enden. Aber zum Glück ist nichts passiert.
An der Grenze zu Frankreich wird in Spanien billiges Benzin nachgefüllt und irgendwie passen auch noch 4 Stangen günstige Kippen ins Topcase. Wer hätte das gedacht – oder hat das Ding nen Keller von dem ich nichts weiß ?
In Biarritz sehen wir den Atlantik zum letzten Mal. Eigentlich wollten wir ja hier in der Gegend übernachten, aber wenn man die Ruhe und Abgeschiedenheit aus Portugal gewohnt ist, geht einem der Trubel und die Menschenmassen hier schnell auf den Senkel. In Mont-de-Marsan einige Kilometer Landeinwärts übernachten wir im Hotel Campanile.- genau, das ist der Laden, wo ein großes, frisch gezapftes Bier schlappe 6,50 € kostet.
Einfach herrlich hier ! Wir sitzen in der warmen Morgensonne, der heisse Café au Lait dampft in der Tasse, die leckeren Croissants sind frisch und die Vögel zwitschern fröhlich vor sich hin. Die Leute gehen gemütlich und ohne Eile zum Bäcker und holen frisches Brot für das Frühstück. Bleiben für ein kurzes Schwätzle beim Supermarkt stehen … bloß keine Hektik …. Frankreich vom aller feinsten.
200 Km sind wir bisher gefahren und der sonnige Vormittag neigt sich dem Ende zu. Auf der Landstraße kommt man nicht schnell voran, aber man sieht dies und das am Wegesrand und ein kurzer stopp für einen Café ist immer drin. Reisen im ursprünglich Sinn halt. Und so halten wir natürlich auch in Perigueux an. Es ist Markt rund um die imposante Kathedrale. Der Feinschmecker horcht an dieser Stelle auf ! Im Perigord sind sie und es ist Markt - wo sind Messer und Gabel ? Was eine opulente Vielfalt an unterschiedlichen frischen Waren wird dort feil geboten! Frisch gegrillte Hähnchen bruzzeln am Spieß vor sich hin und duften verführerisch. Danach vielleicht ein Stück Käse von einem der vielen Stände oder doch lieber Gänseleber und Walnüsse ? Gemüse von absolut frischer Qualität oder doch lieber mal einen guten Roten aus dem nahen Bergerac probieren. Wenn einem hier nicht das Wasser im Mund zusammen läuft …
Gemütlich zuckeln wir weiter durch die leicht hügelige Landschaft des Perigord und genießen die Fahrt. Ab und an immer wieder eine dieser kleinen Ortschaften mit großer Vergangenheit. Das Chateau oder die Festung schauen wir uns an und machen natürlich auch genug Fotos. Das sind eindrücke die man in sich saugt und wohl nicht so schnell vergisst. Da hat man später am Lagerfeuer den Enkeln was zu erzählen.
Bei Tulle verlassen wir die Route National und biegen auf eine dieser kleinen Strassen ab die mit „ D“ beginnen -Landsträssle. Die Auvergne hat uns wieder. Auf dem Weg nach Mauriac, führt die Strasse kilometerlang durch dichten Wald. Wirklich gut zu fahren mit jeder menge Kurven. Den Fussrastern wird’s ganz warm. Doch auf einmal ...päff … der Wald hört auf und wir blicken wie verzaubert auf einen großen Stausee. Absolute Stille als der Motor der FJR aus ist. Ein kleines Boot mit einem Angler, der seine Würmer im klaren Wasser badet, an Bord treibt auf dem Wasser, die Idylle pur und über allem kreist majestätisch ein großer Adler. Echt der Wahnsinn.
Den Lac Chandon kennen wir noch von unserer letztjährigen Tour und das Hotel Grillon ist uns in bester Erinnerung. Mittlerweile sind wir zu überzeugten Auvergne Fans geworden. Die Region ist zwar nicht so gross, aber wir haben sicher noch genug „Reserven“ für einige weitere Touren hierher. Es gibt einfach alles , was das Herz eines Moppdfahrers höher schlagen lässt. Schluchten (gorges), Pässe (cols) und, was sehr wichtig ist,gutes Essen So beschließen wir dort diesen klasse Tag mit einem guten Menü und einem ebensolchen Rösé aus der Auvergne. Santé
Es ist soweit. Der letzte Tag der Reise ist angebrochen. Etwas wehmütig die Koffer abgeschlossen, das restliche Gepäck verstaut und den Tankrucksack optimal positioniert. Es kann losgehen. Wie am ersten Tag der Tour steht heute nur Autobahn im Roadbook. Allerdings mit nem gehörigen Umweg. Der direkte Weg ist uns ja aus dem letzten Herbst noch bekannt und war wenig prickelnd. Wir fahren daher über Lyon, Genf und Basel nach Hause.Die Etappe war am Ende so um die 900 KM lang. Das ergibt dann eine Gesamtsumme von 6900 gefahrenen Kilometern in 17 Tagen
Gut ...gell
