im Süden
Ok, wir haben es ja so gewollt. Strahlend blauer Himmel,kein Lüftchen bewegt sich und die Temperatur hat sich so bei ca. 35 Grad im Schatten eingependelt. Schönes Wetter also ! Seit Lissabon ist das so, nachdem wir von Aveiro gen Süden los gedüst sind.
In Lissabon waren wir übrigens nicht. Aus den selben Gründen, wie ich schon bei Porto schilderte. Bei > 30 Grad im Schatten mit voll gepacktem Mopped und in den Klamotten. Nein Danke, es gibt besseres. Aber wenn man von Nord nach Süd auf der Autobahn die Stadt durch fährt, gibt es schon ein Highlight in der portugiesischen Metropole. Die Ponte 25 de Abril ! Eine Hängebrücke, die Ähnlichkeit mit der Golden Gate Bridge in San Francisco hat, und sich über den Tejo spannt. Wow echt cool wenn man in 70 Meter Höhe über das Wasser cruist.
Fährt man dann auf dem Rückweg etwas weiter östlich durch die Stadt, kommt man zur Ponte Vasco da Gama . Schlappe 17 KM Brücke braucht es um den Tejo zu überqueren. Der Hammer ! Das ist ne höchst willkommene Abwechslung nach der monotonen Autobahnfahrerei. Ausnahmsweise stell ich hier fremde Fotos auf meine Page, alle weil man auf beiden Brücken nicht anhalten kann um Fotos zu machen. Da sie auch noch Videoüberwacht sind, ist es sicher nicht ratsam dort zu stoppen – vom Stau den man produziert mal ganz abgesehn.
Es ist schon ein gewaltiger Unterschied zum eher kühlen Norden. Die Landschaft hat sich komplett geändert. Wo vorher Grün die dominante Farbe war, ist jetzt das verdorrte Braun der Gräser angesagt. Alles von der stechenden Sonne verbrannt. Aber die Fahrt durch den Alentejo ist landschaftlich äußerst reizvoll. Parallel zur Küste, an großen Korkeichenplatagen vorbei geht es ab und zu durch kleine Städte und Dörfer. Das Ganze ist sehr Ländlich und man merkt dann schon , dass die Leute hier sicher nicht zu den wohlhabendsten im Lande gehören. Sicher ein eher mühsames Leben in diesem trockenen Landstrich.
Öfter fährt mal Einer mit nem uralten Mopped hier. Der Traum unserer Jugend, die heißen 50 er von Sachs und co. Hier leben sie weiter, in Lizenz gebaut und leisten immer noch gute Dienste. Wenn man die Helme der Besitzer sieht, kommt man allerdings schnell ins grübeln. EC Norm ist da eher ein Fremdwort. Aber wenigstens ist der Kopf schön schattig verpackt. Hat was bei der Hitze ...
Auch die Küste hat sich verändert. Wo es im Norden hauptsächlich endlos lange Sandstrände gibt, ist hier Steilküste, die berühmte Algarve, mit ihren pittoresken Felsformation die das Auge erfreuen. Sieht wunderbar aus, was Wind und Wellen hier erschaffen haben. Sich mal die „Ponta da Piedade“ anzusehen gehört quasi zum Pflichtprogramm eines jeden Reisenden wenn er schon mal hier ist. Die wilde Welt aus Felsen und Meer kann man sich auch per Fischerboot vom Wasser aus ansehen. Am alten Hafen warten die Kapitäne der bunten, farbenfrohen Nussschalen auf Passagiere. Man wird für billiges Geld (10 €/Person) eine Stunde durch das Labyrinth aus Grotten und Höhlen geschippert. Lohnt sich echt ! Das Wasser ist glasklar und ein Paradies für Taucher. Kleine Buchten mit herrlichen Sandstränden, die nur über steile Treppen erreichbar sind, laden zum Baden ein. Nur , wer da ins Wasser geht, merkt erst wie kalt das Wasser ist. Kaum mehr als 20 Grad werden auch im Hochsommer nicht erreicht.
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Was hat sich die Algarve verändert. Als ich vor 30 Jahren hier zuletzt war, gab es kaum Tourismus. Nun ein Hotel neben dem Anderen. Scheinbar hat man hier nicht auf die Fehler anderer Regionen verzichten wollen und nun die Gegend verschandelt. Und es wird weiterhin gebaut obwohl Bauruinen weithin sichtbar mahnen.
Die Hauptstraße von Lagos ist austauschbar mit jedem anderen Tourikaff irgendwo in der Welt. Kneipe neben Kneipe, Speisekarte in 5 Sprachen alles teuer und der Nepp regiert. Also meiden wir diese Straßen so gut es geht und suchen nach Alternativen. Und es gibt sie sehr wohl. Direkt neben dem Campingplatz ist ein kleines Lokal, wo hauptsächlich Einheimische verkehren. Urige Sache ist das ...Teller gegrillte Sardinen 6 € und der halbe Liter Wein dazu für 1,50 €.
Das Helmschloß zu gemacht und los geht’s. 30 Kilometer sind es bis ans Ende der Welt! Zumindest sieht das der portugiesische Nationaldichter Luis de Camoes das Cabo de Sao Vicente als solches an. Den südwestlichsten Punkt Kontinentaleuropas haben wir erreicht.Weiter geht es ab hier nur noch per Boot. Freier Blick bis nach Amerika !
Und so steht da auch ne fahrbare Wurstbude mit dem Namen „ Letzte Bratwurst vor Amerika“ am Ende der Welt. Dort gibt’s original Deutsche Bratwurst mit Senf und nen Zertifikat das man da war. Erstaunlich mit was man alles Geld verdienen kann. Aber trotz alle dem , ein herrliches Fleckchen Erde. Oben auf den Klippen stehen, den 24m hohen Leuchtturm und die ständig stürmischen Wellen des Meeres im Blick. Hat was für sich.
Die Serra di Monchique wollen wir uns auch noch ansehen. Kaum verlässt man den zu betonierten Küstenstreifen der Algarve ist man auch schon wieder im ursprünglichen Portugal. Kleine niedrige, aber bunte farbenfrohe Häuser säumen den Straßenrand auf dem Weg nach Monchique. In der Stadt füllen wir uns wieder mit Kühlflüssigkeit in Form von Cola und Eistee. Die Sackgasse in Richtung Gipfel ist schön zu fahren und schlängelt sich kurvenreich den Berg hoch. Jede Menge Antennen und Radaranlagen auf dem Gipfel sind echt der Gipfel. Schnell weg hier.
900 Höhenmeter liegen zwischen Gipfel des Monchique und Strand. Also runter ins Tal nach Aljezur. Es gibt dort ne Ruine aus dem 11 Jahrhundert, die wir uns kurz ansehen und dann gibt’s ne Strasse zum Praia. Also wesentlich interessanter als alte Steine. Im Lauf des Nachmittags fahren wir 4 Strände an der Küste zwischen Aljezur und Sagres an. Einer schöner als der andere. Mal lieblich zwischen riesigen Dünen gelegen, ein anderer nur wenige hundert Meter breit zwischen den steilen Klippen. Und überall Surfer, was eigentlich angesichts der hohen Wellen kein Wunder ist. Hier müsste man mal Urlaub machen ...
Tja, und dann wollten wir noch nen Ausflug nach Faro , der Provinzhauptstadt der Algarve, machen. Bei schönstem Wetter sind wir in Lagos losgefahren um 40 Km später im Regen um zu kehren. Verrücktes Wetter hier am Meer. Aber es gibt ja überall was zu sehen und zu erkunden und deshalb sind wir mal nach Silves gefahren.Die Stadt war schon im 12 Jahrhundert ein kulturelles Zentrum der Mauren. Auch heute noch alles sehr schön anzusehen. Egal aus welcher Richtung man kommt, sofort fällt die große Burg mit ihren rötlichen Steinen auf. Also sind wir da über ne moderat steile Strasse hochgefahren. Und wieso schreibe ich „moderat steil“? Wir haben uns alles angesehen und für gut befunden. Vor der Burg steht ne Kathedrale (auch uralt) alles sehenswert ! Aber wie das so mit der Kultur ist ...man wird hungrig (Frau auch) Es gibt eine Strasse weg von der Burg (auch moderat) Nur der Herr FJR Fahrer meinte, ich fahre direkt runter in die Stadt, ist kürzer und man entdeckt vielleicht auch was sehenswertes. Pustekuchen, ich habe mein blaues Wunder erlebt. Noch nie bin ich eine solch steile Strasse mit Kopfsteinpflaster runter gefahren. Als krönendes Ende der Rampe war noch eine 90 Grad Kurve eingebaut. Da hab ich dann die Augen zu gemacht. Man muss nicht unbedingt sehen, wie es einen legt. Passiert ist aber nichts und unsere bleichen Nasenspitzen nahmen auch bald wieder Farbe an.Was lerne ich daraus ? Eher nichts . Ausgeschilderte Wege sind was für Warmduscher.
